Alkohol: Verboten. Herrenbesuch: Verboten. WLAN oder Smartphone: aber sowas von verboten. Angesichts dieser gestrengen Klosterregeln fragt man sich schmunzelnd: Welche davon wäre für heutige Novizinnen wohl am schwierigsten einzuhalten? Und überhaupt: Ins Kloster eintreten, sich auf einen Lebensweg ganz und gar festlegen – klingt unheimlich anachronistisch in einer Welt, in der die meisten Entscheidungen mit einem Klick wieder rückgängig gemacht werden können. Alles andere als zeitgemäß also?
Die neue Ausstellung „Vision & Lifestyle“ im ehemaligen Ursulinenkloster Landshut hinterfragt auch das – auf ganz und gar zeitgemäße Weise. Mithilfe Künstlicher Intelligenz wird hier Angela Adelheid von Wartenberg (1653-1699) zu neuem Leben erweckt. Als schöne junge Frau begrüßt sie, die 1668 als erste Novizin in das damals neu gegründete Kloster eingetreten war, die Besucher per Videobotschaft. 350 Jahre lang lebten Schwestern wie Angela hier, ehe die letzten von ihnen 2016 auszogen und der Klosterbetrieb eingestellt wurde.
Mit Angela blickt man hinter die dicken Klostermauern, durch die Gitterstäbe, die die Schwestern schützten – sie aber auch davon abhielten, hinauszutreten in die Welt. Was uns heute als Einschränkung von Freiheit erscheint, war zu Angela Adelheid von Wartenbergs Zeiten ein Weg, innerlich frei zu werden. Im Kloster erfuhren die Frauen Bildung, hier mussten sie keine Kinderschar unter widrigen Bedingungen gebären, mussten keinen buckligen alten Kerl nur aus Versorgungsgründen heiraten. Stattdessen: ein Bündnis mit Gott. Ihm verschrieben bis zum Tod und in alle Ewigkeit.
© Diözesanmuseum Freising, Foto: Thomas Dashuber
Jeder Klostereintritt wurde zelebriert wie eine Hochzeit unter Menschen. Welches feine Festkleid Angela wohl getragen hätte? Welche Mitgift den Schwestern damals mitgegeben wurde? Und wie rührend die Christuspuppen, die eine jede in ihrem Zimmer hatte! Wie sie sie ausstaffiert haben, wie liebevoll die Jesulein geschmückt wurden: Angesichts der originalen Besitztümer einstiger Ordensschwestern spürt man als Besucher, dass es hier nicht nur um Verehrung des Herrn ging – jede Puppe war gleichzeitig Trost und Familienersatz, weit weg von daheim.
Influencerinnen Gottes, so würde man sie heute vielleicht bezeichnen, Frauen wie Angela und ihre Ordensschwestern. Dieser Gedanke wird in der Ausstellung durchgespielt: In KI-generierten Instagramprofilen inszenieren Angela (Nickname: @angelicAngela) oder der Heilige Aloysius (@pureAloysius) ihre Frömmigkeit. Ihnen in der Schau gegenübergestellt: Tatsächliche Porträts dieser Heiligen in Öl auf Leinwand aus dem 18. Jahrhundert. Da wird deutlich: So sehr hat sich die Art, die himmlische Botschaft zu verbreiten, gar nicht verändert. Die Gesten, die Motive sind dieselben – nur die Kommunikationskanäle sind andere.
Eine Ausstellung über die Frage, welchen Werten man im Leben folgt. Was Gemeinschaft, echte Hingabe heißt. Und wie man heute, im Überangebot von Möglichkeiten, seinen eigenen Weg finden kann. Angelas Reise führt sie am Ende auf die ganz große Bühne. Ein göttlicher Auftritt mit Augenzwinkern, den man nicht verpassen sollte.
ÖFFNUNGSZEITEN
jeden Sonntag, 11-16 Uhr
öffentliche Führung: 14.30 Uhr, Eintritt frei
Anfragen für Führungsbuchungen bitte an skaupe@eomuc.de
Ursulinenkloster Landshut, Neustadt 536, 84028 Landshut
Zum neuen Bildungsstandort im ehemaligen Ursulinenkloster Landshut gehören neben dem Diözesanmuseum Freising die beiden folgenden Einrichtungen:
- die Erzbischöfliche Ursulinen-Realschule Landshut, die heute den größten Teil des Gebäudes nutzt
- das Christliche Bildungswerk Landshut e.V.