Alkohol: Verboten. Herrenbesuch: Verboten. WLAN oder Smartphone: aber sowas von verboten. Angesichts dieser gestrengen Klosterregeln fragt man sich schmunzelnd: Welche davon wäre für heutige Novizinnen wohl am schwierigsten einzuhalten? Und überhaupt: Ins Kloster eintreten, sich auf einen Lebensweg ganz und gar festlegen – klingt unheimlich anachronistisch in einer Welt, in der die meisten Entscheidungen mit einem Klick wieder rückgängig gemacht werden können. Alles andere als zeitgemäß also?
Die neue Ausstellung „Vision & Lifestyle“ im ehemaligen Ursulinenkloster Landshut hinterfragt auch das – auf ganz und gar zeitgemäße Weise. Mithilfe Künstlicher Intelligenz wird hier Angela Merici (1474-1540) zu neuem Leben erweckt. Als schöne junge Frau begrüßt die einstige Gründerin der Compagnia di Sant’Orsola, aus der sich der Orden der Ursulinen entwickelte, die Besucher per Videobotschaft. Mit Angela blickt man hinter die dicken Klostermauern, durch die Gitterstäbe, die die Schwestern schützten – sie aber auch davon abhielten, hinauszutreten in die Welt. Was uns heute als Einschränkung von Freiheit erscheint, war zu Angela Mericis Zeiten ein Weg, innerlich frei zu werden. Im Kloster erfuhren die Frauen Bildung, hier mussten sie keine Kinderschar unter widrigen Bedingungen gebären, mussten keinen buckligen alten Kerl nur aus Versorgungsgründen heiraten. Stattdessen: ein Bündnis mit Gott. Ihm verschrieben bis zum Tod und in alle Ewigkeit.
Jeder Klostereintritt wurde zelebriert wie eine Hochzeit unter Menschen. Welches feine Festkleid Angela wohl getragen hätte? Welche Mitgift den Schwestern damals mitgegeben wurde? Und wie rührend die Christuspuppen, die eine jede in ihrem Zimmer hatte! Wie sie sie ausstaffiert haben, wie liebevoll die Jesulein geschmückt wurden: Angesichts der originalen Besitztümer einstiger Ordensschwestern spürt man als Besucher, dass es hier nicht nur um Verehrung des Herrn ging – jede Puppe war gleichzeitig Trost und Familienersatz, weit weg von daheim.
Influencerinnen Gottes, so würde man sie heute vielleicht bezeichnen, Frauen wie Angela und ihre Ordensschwestern. Dieser Gedanke wird in der Ausstellung durchgespielt: In KI-generierten Instagramprofilen inszenieren Angela (Nickname: @angelicAngela) oder der Heilige Aloysius (@pureAloysius) ihre Frömmigkeit. Ihnen in der Schau gegenübergestellt: Tatsächliche Porträts dieser Heiligen in Öl auf Leinwand aus dem 18. Jahrhundert. Da wird deutlich: So sehr hat sich die Art, die himmlische Botschaft zu verbreiten, gar nicht verändert. Die Gesten, die Motive sind dieselben – nur die Kommunikationskanäle sind andere.
Eine Ausstellung über die Frage, welchen Werten man im Leben folgt. Was Gemeinschaft, echte Hingabe heißt. Und wie man heute, im Überangebot von Möglichkeiten, seinen eigenen Weg finden kann. Angelas Reise führt sie am Ende auf die ganz große Bühne. Ein göttlicher Auftritt mit Augenzwinkern, den man nicht verpassen sollte.
SAMSTAG, 18.7.2026 UND SONNTAG, 19.7.2026 (jeweils ganztägig), 10:00 UHR – 17:00 UHR
AKTIONSWOCHENENDE DIÖZESANMUSEUM FREISING Museumsräume des ehemaligen Ursulinenklosters (Neustadt 536)
FÜHRUNGEN DURCH DIE MUSEUMSRÄUME mit Kuratorin Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus, Kunstvermittler Stephan Kaupe und Team, kleine Bewirtung mit KAFFEE UND KUCHEN SOWIE OFFENE WERKSTÄTTEN ZUM MITMACHEN
SAMSTAG, 18.7.2026
ZUGENEIGT — GIPSGIESSEN mit Verena Oberhollenzer (Schulwerk raum) / DAS LANDSHUTER GNADENBILD – KLOSTERARBEIT mit Monika Oberhofer (Bibliothek)
Eintritt frei, Spenden für das Material willkommen
19:00 UHR KLANGFARBEN EINES SOMMERABENDS – EIN MUSIKALISCHES KALEIDOSKOP mit der Sopranistin und ehemaligen Ursulinen schülerin MARIA PITSCH — Mehrzweckraum der Ursulinen-Real schule, Eintritt frei, Anmeldung möglich unter: sekretariat@ursla.de
SONNTAG, 19.7.2026
ZUGENEIGT — GIPSGIESSEN mit Verena Oberhollenzer (Schul werkraum)
DER STERN MARIENS — FILZEN mit Simone Oberhofer (Bibliothek)
Eintritt frei, Spenden für das Material willkommen
ÖFFNUNGSZEITEN
jeden Sonntag, 11-16 Uhr