In dulci jubilo
Konzertmatinée mit dem Blockflötenquartett Mormora l’Aura
In dulci jubilo, nun singet und seid froh... so beginnt ein bekanntes kirchliches Weihnachtslied aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die Freude über die bevorstehende Geburt Christi prägt dieses schwingende Lied – man spürt die große Kraft, die in dieser Erwartung steckt. Genau diese Vorfreude, die die Zeit des Advents prägt, steht im Zentrum unseres Programms. Dabei kann sich Freude jubilierend oder innig, still oder laut singend ausdrücken. Wenn man sich auf die Vielfalt und die Eigenheiten in Form und Ton einlässt, vermögen die von uns ausgesuchten Werke ihre ganz eigene, freudige Klangwelt zu erschaffen. Aus der Stille beginnt das Programm mit einem Solowerk von Jacob van Eyck, dessen Melodielinien sich wie Vogelgesang langsam entfalten und bis zum jubelnden Schluss emporsteigen. Dieses Bild des Vogelgesangs aufgreifend folgt ein Weihnachtslied, in welchem die Nachtigall, aufgefordert wird, aufzuwachen und zur Krippe zu fliegen. Den Kanon »O virgo splendens« aus dem 14. Jahrhundert sangen Pilger, während sie im spanischen Marienwallfahrtskloster von Montserrat die Nacht in Anbetung verbrachten. Wie in tiefer Meditation entwickelt sich hier aus der Einstimmigkeit der Kanon, der die hoffnungsfrohe Stimmung der Pilger spürbar macht. Noch weiter zurück in der Geschichte führt das »Sederunt principes«, das Pérotin für das Fest des Hl. Stephan in Notre Dame am 26.12.1199 komponierte. Hier liegt eine zu langen Haltetönen gedehnte Melodie zu Grunde, worüber drei Stimmen ein filigranes Klangornament entfalten. Dieses Werk gilt als eines der ersten vierstimmig durchkomponierten Stücke der Musikgeschichte und eine solch aufregende Vielfalt war bis dahin ungehört. Johannes von Salisbury, ein Zeitgenosse Pérotins, schrieb über die Darbietung dieser Musik: »Sie vertreibt den Kummer der Seele und die Sorgen des Lebens, überträgt Freude und Frieden und Jubilieren in Gott und erhebt die Seele in die Gesellschaft von Engeln.« An dieses älteste Werk im Programm schließt sich das jüngste an. Der Este Arvo Pärt komponierte sein »Da pacem Domine« im Jahr 2004 für vierstimmigen Chor. Die langen, ineinander klingenden Töne der hier gespielten Instrumentalfassung erinnern an den Klang von Glocken und atmen tiefen Frieden und innig freudige Ruhe. In diese Ruhe hinein beginnt gleichsam der Morgenstern zu leuchten und zwar so, wie Michael Praetorius dieses bekannte Weihnachtslied zu Beginn des 17. Jahrhunderts gefasst hat. Mit dem anschließenden »Hymnus de Adventu Domini« von 1624 bleiben wir in der Zeit des Frühbarock. Samuel Scheidt legte seiner vierstimmigen Komposition »Veni Redemptor gentium« einen gregorianischen Choral zugrunde. Eben jenen Choral, den Martin Luther genau einhundert Jahre zuvor ins Deutsche übersetzt und als Gemeindefassung bearbeitet hatte: das geistliche Weihnachtslied »Nun komm, der Heiden Heiland«. Wir kehren noch einmal zu Michael Praetorius zurück und zwar mit dem Stück, das unserem Programm den Namen gegeben hat. Der Wärme und innigen Glückseligkeit des »In dulci jubilo« kann man sich kaum entziehen und so bereitet dieses, übersetzt »in süßer Freude« erklingende Stück den Schluss vor: Wahrlich jubelnd bietet die vierstimmige Motette Johann Sebastian Bachs sowohl feierliche als auch euphorisch strahlende Momente mit dem Text: »Lobet den Herrn alle Heiden und preiset ihn alle Völker. Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja.« Im wahrsten Sinne eine vorFreudige Adventszeit!
Das Mormora l’Aura Quartett München: Die Blockflötistinnen Maria Wackerl, Brigitte Schelle-Mayr, Petra Schiegg und Daniela Weigl lernten sich während ihres Studiums am Richard-Strauss-Konservatorium München kennen. Nach ihrem Diplomabschluss im Hauptfach Blockflöte fanden sie sich im Januar 2003 zu einem Ensemble zusammen. Im Jahr 2004 folgten die ersten Konzerte als Mormora l’Aura Quartett München.
Als Eintrittskarte gilt das Museumsticket, Spenden für die Musik sind willkommen.