HOCH ÜBER FREISING.

ERHABEN ÜBER DEN ALLTAG.

HENNING VON GIERKE in der Johanneskirche Freising

Eine Installation
in der Johanneskirche
Domberg Freising

BERUFUNG,
WEG UND VISION DES
HL. KORBINIAN

Korbinian kam erst spät zu seinem Bären. Da war er schon mehr als zweihundert Jahre der Hausheilige des Freisinger Dombergs. Als Ende des 9. oder Anfang des 10. Jahrhunderts die Lebensbeschreibung des heiligen Korbinian, die Bischof Arbeo verfasst hatte, überarbeitet wurde, kam der Bär hinzu. In den sog. Passionsakten der frühen christlichen Märtyrer und in den Lebensbeschreibungen der Heiligen, die im 6. und 7. Jahrhundert geschrieben worden waren, war der Bär schon vorher da. Er verfügt, wie schon der antike Naturwissenschaftler Plinius schreibt, über die Fähigkeit zum aufrechten Gang und ist zugleich mehr als jedes andere Lebewesen geneigt, Schaden zuzufügen. Für Augustinus ist er deshalb wie der Löwe eine Verkörperung des Teufels. Der gezähmte Bär wird damit das Sinnbild für das bezwungene Böse. Wenn daher Korbinian am Ende des 9. Jahrhunderts zum Bärenbezwinger wird, ist das Ausdruck der Wirkung, die ihm in dieser Zeit zugeschrieben wurde. Korbinian hat durch das Evangelium Christi, das er verkündet hat, die zerstörerische Gewalt, in der sich das Böse zeigt, bezwungen. Die Szene, die das anschaulich macht, wird in die Korbiniansvita eingefügt. Anseric, der Gefährte des Korbinian, züchtigt auf dessen Geheiß den Bären, der das Pferd des Heiligen gerissen hat, und sattelt ihn als Lasttier für die weitere Reise nach Rom.

Henning von Gierke hat in seinem Bild diese elementare Szene, in der Gewalt und Zähmung miteinander ringen, mitten in den Freisinger Dom verlegt. Sie ereignet sich vor dem Bild der apokalyptischen Frau aus der Offenbarung des Johannes, das Peter Paul Rubens für den Hochaltar des Domes gemalt hat. Im biblischen Text ist die schwangere Frau, die ein Kind gebiert, das Hoffnungszeichen für eine verängstigte christliche Gemeinde, die der Gewalt des römischen Kaisers und seiner Vasallen ausgesetzt ist. Korbinian, der die reißende Gewalt des Bären bezwingt, bewahrt diese Hoffnung durch die Jahrhunderte. Wer vor dieses Bild tritt, sieht zugleich mit dem Bild sich selbst verpflichtet, die Hoffnung zu bewahren und mit allen Kräften gewaltfrei zu leben.

Marc-Aeilko Aris

 

Eine Kooperation mit der Domkirchenstiftung Freising

 

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